Olivier Bernstein – Portrait eines Ausnahmewinzers

erstellt am: 14.02.2020 | von: Dominik Thiele | Kategorie(n): Allgemein

Vom Manager zum Winzer

Olivier Bernstein wurde in eine Unternehmerfamilie geboren, in der guter Geschmack, ein Sinn fürs Detail und der Wille Höchstleistungen zu vollbringen schon immer starke Werte waren. Oliviers Großvater gründete den Musikverlag Bärenreiter, der als Branchenstandard für die Werke von Mozart, Bach, Schubert und Haydn gilt. Auch seine Eltern leiteten die Herausgabe mehrerer großer Klassik-Labels für anspruchsvollste Musikliebhaber und so war Olivier ständig von klassischer Musik umgeben, während er aufwuchs.

Olivier selbst entschied sich vorerst eine internationale Managementkarriere einzuschlagen, was ihm im Auftrag der Eisenbahnindustrie Reisen durch die ganze Welt ermöglichte. Die Heimat ließ ihn jedoch nie los. Denn wo auch immer er sich befand – Asien, Nordamerika, Südamerika, Europa – der Wein war die Verbindung zu seiner Heimat und der vergorene Traubensaft entwickelte sich zusehends zu einer aufkeimenden Leidenschaft. Seine Freizeit widmete Olivier der Erkundung von Weinbergen, der Begegnung mit Winzern und der Teilnahme an Lese und Weinherstellung. Als die Leidenschaft schließlich Überhand gewann, studierte Olivier Weinbau und Önologie in Beaune. Nach dem Studium begann er in der Domaine Emmanuel Rouget zu arbeiten, wo er auch das Privileg genoss, mit dessen Onkel, dem legendären Henri Jayer, zu arbeiten.

Im Jahr 2002, im Alter von 35 Jahren, verwirklichte Olivier seinen Traum, Winzer zu werden. Er kaufte ein verlassenes Weingut und acht Hektar Land mit alten Reben bestockt im südfranzösischen Roussillon. Die kleine Produktion begeisterte von Anfang an einige der besten Restaurants Frankreichs und durch die Zusammenarbeit mit ausgewählten Importeuren konnten sich Bernsteins Weine schnell auf fünf Kontinenten etablieren. Olivier verbrachte die nächsten fünf Jahre damit, sein Können und seine Methoden zu perfektionieren.

Der Weg zurück ins Burgund

Nach wie vor schlummerte in Olivier jedoch der Wunsch, wieder mit Pinot Noir zu arbeiten. Im Jahr 2007 kehrte er daher ins Burgund zurück, um dort als Micro-Négociant Weine unter seinem Namen zu produzieren. Bernstein selbst sieht sich aber nicht als Négociant, da er die Parzellen, von denen seine Trauben stammen, von verschiedenen Eigentümern zwar pachtet, die komplette Arbeit im Weinberg mit seinem Team jedoch selbst verrichtet und überwacht. Dies ist für ihn eine essenzielle Voraussetzung für seine Qualitätsbestrebungen, da nicht nur seiner Meinung nach nur großartiges Traubenmaterial auch großartige Weine hervorbringen kann. Und die Voraussetzungen dafür sind günstig. Die meisten Rebstöcke weisen ein Alter zwischen 40 und 80 Jahren auf.  Bereits 2007 erhielten seine ersten Weine großartige Kritiken von Jancis Robinson MW und Allen Meadows. 2012 hatte er dann die einmalige Gelegenheit zwei der Weinbergparzellen zu kaufen, die er von Anfang bewirtschaftet hatte: Mazis-Chambertin Grand Cru und Gevrey-Chambertin 1er Cru „Les Champeaux“. Heute umfasst sein Sortiment 10 Weine: 3 Premiers Crus und 7 Grands Crus.

Weingut und Weine

Schon das Weingut selbst, ein altes Scheunengebäude mitten im Herzen Beaunes spiegelt den Perfektionismus und den feinen Sinn für Eleganz seines Besitzers wider. Von außen fast unscheinbar, hat Olivier es innen in ein modernes, über alle Ebenen offenes Loft verwandelt. Darunter befindet sich der historische Gewölbekeller. Hier reift der wahre Schatz der Domaine.

Der erste Schritt, um diese Schätze zu erschaffen, beginnt im Weinberg. Unterstützung erfährt Bernstein in Weinberg und Keller durch seinen Kellermeister Richard Seguin, dem talentierten Neffen von Bernard Dugat-Py. Biodynamische Weinbergsarbeit und grüne Lese sind für Olivier eine Selbstverständlichkeit. Geerntet wird im Vergleich zu anderen Weingütern meist eine Woche früher. Entscheidend ist die perfekte Säure, welche Olivier und Seguin als einzigartiges Qualitäts- und Stilelement der großen Burgunder empfinden.  Nur völlig gesundes, kleinbeeriges Traubenmaterial wird weiterverarbeitet. Die Erntemenge liegt maximal bei rund 30hl/ha. Ein Hauptanteil der Ernte wird mit hochreifen, braunen Stielen ganztraubig vergoren. Der Rest der Trauben wird per Hand entrappt. Im Anschluss an eine zweite sorgfältige Selektion werden die Trauben wieder zusammengeführt.

Nach einer 8-tägigen Kaltmazeration erfolgt schließlich die eigentliche Fermentation. In neuen oder einjährigen Barriques schließt sich die malolaktische Garung an. Das Holz für die Barriques wählt Bernstein aus den Wäldern von Fontainebleau und Jupille zusammen mit dem Tonnelier höchstpersönlich aus. Gefertigt werden sie von einem der angesehensten, winzigen Fassbaubetriebe Burgunds, der Familie Chassin. Die Fässer sind aber nicht stark getoastet. Die Intensität des Toastings der Barriques wird dem Jahrgang, den Tanninen und insbesondere den Säurewerten angepasst. Durch mehrmaliges Degustieren durch den Cuvelier werden die Fässer so auf jeden einzelnen Wein abgestimmt. Im Anschluss ruht er für 18 Monate ohne Battonage in den Barriques auf der Feinhefe. Schließlich erfolgt die finale Abfüllung unter Beachtung des Mondstandes und mit reiner Gravitation. Auf Schönung und Filtration wird ebenfalls verzichtet.

In nur wenigen Jahren unter der Elite des Burgunds

Bernsteins Crus sind wahrlich Raritäten. Maximal 30.000 Flaschen aus 100 Barriques werden pro Jahr erzeugt. In Jahren knapper Mengen wie 2011 und vor allem 2012 und 2013, können es auch unter 20.000 Flaschen sein. Eine Mengensteigerung ist von Olivier qualitativen Gründen nicht gewünscht. Olivier Bernstein schafft es in seinen Weinen die einmalig saftige Frucht zu erhalten und mit einer überragenden Finesse, Feinheit und unglaublicher Eleganz zu kombinieren. Wie bei den Weingütern von Romanée-Conti oder Ponsot sind die Weine des visionären Oenologen keine Farb- und Kraftbomben, sondern elegante, duftig-ätherische Elixierweine, die durch Tiefgründigkeit und Dichte begeistern. Schon in der Jugend umwerfend, entwickeln sich die Weine mit Ihrer Reife zu charaktervollen Terroirweinen.

Der von der internationalen Fachpresse hochgelobte Senkrechtstarter gehört schon heute, nach nur 12 Jahrgängen zur absoluten Elite des Burgunds. Die Preise steigen jährlich. Denn mit dem wachsenden Interesse an den Weinen des Ausnahmewinzers, schnellen auch die bereits im Markt befindlichen Jahrgänge in immer neue Höhen. Ungeachtet dessen sind die Weine nach Lancierung des neuen Jahrgangs jedes Jahr aufs Neue umgehend ausverkauft. 99% seiner Weine werden exportiert. Davon gehen allein 25% der Produktion nach England und 15% nach Amerika. Auch der asiatische Markt hat die Weine von Olivier Bernstein für sich entdeckt und sucht händeringend nach Flaschen. Olivier Bernstein wandelt eindeutig auf den Spuren der Domaine Romanée-Conti und wir sind gespannt, wo die Reise hinführen wird.

Diese Spezialitäten von Olivier Bernstein bieten wir Ihnen wie immer zum exklusiven KierdorfWein-Preis an. Die Mengen sind bei diesen Topqualitäten klein, zum Teil daher nur limitiert verfügbar und schnell ausverkauft.