Der Trend geht zum Bio-Champagner

erstellt am: 24.03.2020 | von: Dominik Thiele | Kategorie(n): Allgemein, Kierdorf News

Der Trend zu Bio

In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der biologisch und biodynamisch arbeitenden Betriebe verzehnfacht. Hohe Bodenpreise und hohe Traubenpreise führen dazu, dass es für viele Winzer besonders attraktiv ist, ihr Lesegut an die großen Champagnerhäuser zu verkaufen. Doch wie die Zahlen zeigen findet eine Umstellung zur Selbstständigkeit statt. Damit steigt auch das Interesse dieser Champagnerwinzer an gesunden Böden, sowie gesunden, widerstandsfähigen, tiefwurzelnden Reben, die kleine aromatische Beeren hervorbringen. Dies lässt sich durch die Umstellung auf biologischen Anbau erreichen. Die Bio-Zertifizierung in der Champagne ist jedoch nicht nur wegen des hohen Risikos von Rebkrankheiten ein großer Schritt, sondern auch aufgrund der für den Zeitraum von drei Jahren vorgeschriebenen Umstellungsphase, die eine große finanzielle Hürde darstellt. Umso erstaunlicher, dass selbst große Häuser wie Roederer diesen Schritt wagen und sich für die Biozertifizierung anmelden.

Beeindruckend ist vor allem die geschmackliche Vielfalt, die dieser Wandel in der Champagne mit sich bringt. Deshalb widmete sich das Magazin „Der Feinschmecker“ diesem Thema und ließ 45 Champagner aus zertifiziert biologischem Anbau von einer Expertenjury verkosten. Wir sind sehr stolz, dass sich unter den 10 Siegern dieser Verkostung auch der L’Ascendant Solera Grand Cru Brut Nature des Hauses Mouzon-Leroux befindet.

Mouzon Leroux

Die Wurzeln des Weinguts Mouzon-Leroux lassen sich bis ins Jahr 1776 zurückverfolgen, und noch heute bewirtschaften Mutter Pascale, Vater Philippe und Sohn Sébastien Mouzon das 7,5 Hektar große Weingut gemeinsam. Die Verantwortung trägt aber mittlerweile Sohn Sébastien, wobei der Generationswechsel früh eingeleitet und auch konsequent vollzogen wurde. So stellte man bereits 1997 auf biologische Bewirtschaftung um. 2008 vollzog man auf Sébastiens Wunsch die komplette Umstellung auf biodynamischen Anbau. Diese Umstellung geschah aus der tiefen Überzeugung, dass nur der gesunde Austausch zwischen lebendigen Böden, Klima und Rebstöcken einen wahrhaften Champagner mit unverwechselbarem Terroirbezug schaffen kann. Die so entstandenen Champagner werden als „Natural by Sébastian Mouzon“ vertrieben, während die „nur“ biologische Serie von Pascale und Philippe ausläuft.

Gelegen in der Montagne de Reims im Städtchen Verzy genießen sämtliche Cuvées Grand Cru Status. Die per Pferdepflug bewirtschafteten Reben stehen hier auf lehmigen Kalk- und Kreide-Böden, wobei im Osten der Stadt vor allem Chardonnay gedeiht, während die westlichen Weinberge, wie so oft in der Montagne, dem Pinot Noir vorbehalten sind. Beim Ausbau der Weine achtet Sébastian auf eine möglichst schonende Behandlung der Grundweine, keine Schönung und keine Filtration. Die Weine werden 6 Monate auf der Feinhefe ausgebaut und vollziehen vollständig die malolaktische Gärung. Der Grundwein wird je nach Cuvée teilweise oder vollständig im Barrique ausgebaut, wobei der Einsatz nie die subtile Frucht und die Frische der Weine übertünchen soll. Die Länge der zweiten Gärung variiert je nach Cuvée, übertrifft aber stets deutlich die Mindestanforderung. Die Dosage befindet sich stets im unteren Bereich, um den Charakter der Weine nicht zu verfälschen. So entstehen große Champagner von außerordentlicher Güte, die sich den eigenständigen Charakter ihrer Herkunft erhalten und ein unverkennbares Stück der Champagne ins Glas bringen.

Doch auch andere Champagnerhäuser, die unser Sortiment bereichern arbeiten schon lange aus tiefster Überzeugung nach biologischen oder biodynamischen Methoden ohne dafür zertifiziert zu sein.

Agrapart et Fils

So entstehen im Hause Agrapart et Fils nicht zuletzt aufgrund der Bewirtschaftung nach biodynamischen Methoden, zu denen auch die Weinbergsbearbeitung mit dem Pferd gehört, Champagner von großer Eigenständigkeit und Persönlichkeit. Dieses Champagner-Weingut wurde 1894 von Arthur Agrapart, dem Ur-Großvater der heutigen Eigentümer Pascal und Fabrice Agrapart, in Avize im Herzen der Côte des Blancs gegründet. Agrapart war stets ein „hausgemachter“ Champagner. Seit der Gründung übernahmen alle nachfolgenden Generationen von leidenschaftlichen Weinmachern ausschließlich selbst den Anbau, die Vinifizierung, die Abfüllung und den Verkauf. Diese Eigenständigkeit gibt der Familie die Möglichkeit, jederzeit alle Stufen der Produktion selbst zu überwachen. Die Weinberge des Hauses liegen geographisch hervorragend im Zentrum der Champagne in als Grand Cru klassifizierten Gemeinden. Sie sind über 52 Parzellen verteilt und die Rebstöcke haben ein durchschnittliches Alter von fast 50 Jahren, manche sind sogar über 65 Jahre alt.

Eric Collinet

Ebenfalls erwähnenswert ist das Weingut Eric Collinet, dessen Weinberge sich im äußersten Süden der Champagne an den Ufern des Fluss Aube befinden, rund um das Örtchen Bragelogne. Weit abseits vom Zentrum der Champagne um Reims wachsen die Reben hier auf Kimmeridge-Kalk, ähnlich dem Chablis und erhalten so eine ganz besondere mineralische Prägung. Bereits im Jahr 1987 zog es Eric aus seiner Heimat im Limousin in die Champagne. Seiner Liebe zur Natur und zum König der Weine wegen begann er mit der Bewirtschaftung von 2 Hektar Rebfläche. Die Bewirtschaftung dieser kleinen Fläche im Einklang mit der Natur war stets Erics Ziel, sodass er den Betrieb auf biologische Bewirtschaftung umstellte und im Jahr 2011 zertifiziert wurde. Eric produziert lediglich die Cuvée Temporis Extra Brut aus 98 % Pinot Noir und ein wenig Chardonnay. Der Ausbau erfolgt über mindestens 2,5 Jahre, sodass schon das Bukett mit kräftigen Autolysenoten und dem Duft von Brotrinde und Walnüssen erstrahlt. Die klare Prägung der Kimmeridge Böden assistiert dieser dichten Kraft mit feinen Zitrustönen und griffiger Mineralität. Ein wahrlich einzigartiger Champagner von großem, eigenständigem Format im Stile eines großen Vintage.

Champagne Heucq Père et Fils

Bereits in den 1970er Jahren stellte auch André Heucq von Champagne Heucq Père et Fils die Bewirtschaftung auf biodynamischen Anbau um. Zusätzlich kaufte er gebrauchte Fässer von Winzern aus Meursault, um einigen Weinen noch mehr Tiefe zu verleihen und begann sich noch mehr auf die Rebsorte des Marne Tals, Pinot Meunier, zu fokussieren. Der Fokus auf Pinot Meunier führte dazu, dass man heute im Hause Heucq, unter Leitung von Fanny und Alexandre Heucq, unter anderem 2 verschiedene Rosé produziert. Vor allem der Rosé Phase 1 darf als besondere Spezialität des Hauses betrachtet werden, wird er doch zu 100 % aus Pinot Meunier gekeltert, während die rasante Kraft im Héritage Rosé de Meunier Phase 2 Extra Brut durch 30 % Chardonnay gezügelt wird.

Timothé Stroebel

Nicht zu vergessen ist auch Timothé Stroebel. Sein lediglich 3,5 Hektar großes Weingut befindet sich im 1er-Cru-Dorf Villers-Allerand südlich von Reims, in der Montagne de Reims. Dass im Weingut alles nach biologischen Grundsätzen bewirtschaftet wird, ist für Timothé selbstverständlich. Es geht schließlich um den Erhalt der Lebensgrundlage des jungen Mannes. Überhaupt möchte er so nah wie nur möglich an und mit der Natur arbeiten. Die Grundweine werden spontanvergoren, ausgebaut je nach Cuvée in Inox oder Holz. Zur Einleitung des biologischen Säureabbaus wird hier nicht wie andernorts mit Milchsäurebakterien geimpft, sondern man verlässt sich vollends auf das kellereigene Mikroklima. „Keine Schönung“, „keine Filtration“, „keine Stabilisation“ lauten die Schlagworte. Der Einsatz von Schwefel wird, wenn überhaupt, nur in geringsten Mengen praktiziert. Einige der Weine weisen sogar so geringe Mengen Schwefel auf, dass sie unterhalb der Deklarationsgrenze liegen (10mg/l). Die Weine, die so entstehen, sind eigenständige Cuvées von großer Persönlichkeit und individueller Klasse. In Kleinstserie produziert, verzücken sie mit rasantem Champagner-Vergnügen fernab von hochgezuckerter Dosage und Konventionen.

Lassen auch Sie sich von der Aufbruchstimmung in der Champagne mitreißen, indem Sie sich von der beeindruckenden Geschmacksvielfalt unserer biologisch und biodynamisch erzeugten Champagner überzeugen.