Domaine Gérard Seguin – Das Portrait einer Familie

erstellt am: 05.03.2020 | von: Dominik Thiele | Kategorie(n): Allgemein, Kierdorf News

Die Geschichte

Die Geschichte der Domaine Gérard Seguin beginnt schon 1850 mit Alexis Seguin, einem Winzer, der ein kleines Weingut in Gevrey-Chambertin besaß. Neben der Weinproduktion gehörte auch das Veredeln von Reben zu seinen Leidenschaften. Dieses Wissen kam ihm im Zuge der Ende des 19. Jahrhunderts folgenden Reblaus-Krise zugute, die große Teile des Weinbaus auf dem europäischen Kontinent zum Erliegen brachte. Er war einer der ersten und sicherlich ein Pionier im Burgund, der auf die Wurzelstöcke ausgewählter, reblausresistenter Amerikaner-Reben die Edelreiser von Europäer-Reben aufpfropfte, um so gegen die Krankheit vorzugehen. Aufgrund seiner Bemühungen wurden ihm Ende der 1890er Jahre zahlreiche Preise für die Veredelung von Reben verliehen.

In den 1920er Jahren wurde das Anwesen dann zwischen Alexis drei Kindern Aristide, Blanche und Hippolyte aufgeteilt, wobei Hippolyte das Haus und eine Parzelle in der Lage „Craipillot“ mit einer Fläche von 0,50 ha zusammen mit einigen anderen kleinen Parzellen erbte. 1950 begann Hippolytes Sohn Pierre mit dem Kauf von Weinreben und widmete sich dem Wiederaufbau sowie der Erweiterung des Gutes. Er erwarb eine 1 ha große Parzelle des lieu-dit „Reniard“ und bepflanzte sie vollständig neu. Das Anwesen und der neue Keller wurden 1973 fertig gestellt. Ab 1977 engagierte sich Gérard, der Sohn von Pierre, auf dem Weingut. Dies war auch der Beginn des Flaschenweinverkaufs. Seit 1990 hatte Gérard die Vergrößerung und Modernisierung der Domaine im Fokus. Unterstützung erfuhr er vor allem durch seine Frau Chantal, bis 2006 sein Sohn Jérôme das Weinbau- und Önologie-Studium in Beaune abschloss und in das elterliche Weingut eintrat.

Weinberge und Keller

Ein Großteil der Weinberge von Seguin sind an den Hängen der Hügel über dem Gut gelegen. Heute bewirtschaftet das Weingut insgesamt 6,25 Hektar, die vollständig mit Pinots Noir bepflanzt sind. 3,3 ha sind Gevrey-Chambertin-Lagen, die besten davon sind die Grundlage des Vieilles Vignes, dessen Rebsatz weit über 60 Jahre alt ist. Ein Hektar teilt sich auf Craipillot und Lavaux St. Jacques auf, letztere die wohl beste Premier-Cru-Lage von Gevrey-Chambertin.

Die Weinbereitung ist eher traditionell. Nach einer Kaltmazeration von vier bis fünf Tagen beginnt der Gärungsprozess mit natürlichen Hefen. Reinzuchthefen werden grundsätzlich nicht eingesetzt, da diese nicht nur nach Seguins Meinung standardisierte Weine produzieren und jegliche Lagentypizität eliminieren. Der Ausbau erfolgt in Eichenfässern, von denen je nach Lage und Jahrgang 20 – 40 Prozent erstbelegt sind. Etwa 15 Monate lang dauert der Ausbau bis zum Abstich. Drei Monate werden dann noch bis zur Abfüllung benötigt, um die jeweiligen Cuvées zu verbinden. Auf Filtration wird meistens verzichtet. Falls diese aber doch notwendig ist, so erfolgt sie nur leicht und schonend mittels Kieselgur. Seguins Rotweine sind Klassiker im besten Sinne. Sie zeigen stets die für Gevrey-Chambertin so typische Balance von maskuliner Beerenfrucht und würzigen Unterholznoten sowie eine bemerkenswert mineralische Tiefe.

Die Weine

Das macht schon die Basis-Cuvée Gérard deutlich. Diese Cuvée stammt von 20 Jahre alten Reben der Lage „Charreux“ im Gemeindegebiet Gevrey-Chambertin. Der Wein zeigt eine eindrucksvolle Terroirtypizität und gute Struktur mit einer saftigen, schwarzen Beerenfrucht. Genau der richtige Begleiter zu Boeuf Bourguignon. Einen äußerst schönen Gegensatz hierzu bietet die Cuvée Chantal. Die 50 Jahre alten Reben befinden sich auf dem Gemeindegebiet von Chambolle-Musigny entlang der Route National. Der leuchtend rote Wein präsentiert sich am Gaumen elegant mit einer saftig roten Beerenfrucht und charmanten Textur und ist somit ebenfalls merklich vom Appellationscharakter dieser Gemeinde geprägt. Ein toller Begleiter zu allen hellen Fleischsorten und sogar Fisch mit einer kräftigen Sauce weiß dieser Wein sehr gut zu ergänzen.

Marsannay & Fixin

Auch in Marsannay und Fixin besitzt die Domaine Seguin Lagen. Die AOC Marsannay erstreckt sich über die Gemeinden Chenove, Marsannay und Couchey. Die Lage des Weinguts „En Batayard“ liegt am Hang der Gemeinde Couchey. Der Boden ist flachgründig, sodass der Kalksteinfelsen unmittelbar unter der dünnen Humusschicht sitzt. Die Weinbereitung ist identisch mit jener der anderen Appellationen des Gutes mit einer Reifezeit von zwölf bis fünfzehn Monaten in Fässern, von denen 30% Erstbelegung sind. Der Marsannay „En Batayart“ zeichnet sich durch seine feine, dunkle Brom- und Blaubeerfrucht mit spürbarer Tiefe und feinsaftiger Art aus. Er wird von angenehmer Frische und durchaus festem, aber nicht aggressivem Tannin getragen. Es ist ein anspruchsvoller Wein mit schöner Kirschfrucht und einem langen, intensiven Finale, das Vorfreude auf das nächste Glas bereitet.

Im Schatten des berühmten Nachbarn Gevrey-Chambertin gilt Fixin als Quelle für gute Rotweine mit verlockendem Preis-Genussverhältnis. Die Böden von Fixin sind ein Mix aus hartem Kalkstein für das Bouquet, lehmhaltigem Kalkmergel für die Kraft und brauner Erde für die Finesse. Das Aroma dieser Gewächse erinnert oft an einen Gevrey, jedoch in einer etwas leichteren und zugänglicheren Art. Die Lage „La Place“ befindet unterhalb des Weiler Fixey im Herzen der Appellation und ist mit etwa 30 Jahre alten Reben bestockt. In der Nase zeigt der Fixin „La Place“ ein blumiges Bouquet mit fruchtigen Anklängen von schwarzer Johannisbeere und Sauerkirschen. Am Gaumen ist er rund und lebendig mit einer schönen Struktur.

Die Spitze

Neben den anderen Weinen der Domaine aus Gevrey sind vor allem die beiden 1er Crus des Weinguts „Craipillot“ und „Lavaux-St.-Jacques“ zu erwähnen. „Craipillot“ liegt direkt an der Mündung des Combe de Lavaux am Fuße des Clos Saint-Jacques und profitiert daher von dem hier vorherrschenden mit Geröllkiesel gut durchsetzen Mergelboden und der sehr guten Drainage. Seguins 0,9 ha große Parzelle verfügt über sehr alten Rebbestand von 70 – 100 Jahren. Auch hier wird manuell gelesen. Anschließend werden die Trauben vollständig entrappt. Die Reifung auf der Hefe dauert 18 Monate in Fässern, die zu 40% aus neuem Holz aus dem Wald von Tronçais bestehen. Der Wein ist lebendig und sehr fruchtig mit Aromen von Lakritze und Veilchen. Er vereint sowohl Kraft als auch feine Eleganz in sich. Ein großartiger, komplexer, ausgewogener Wein mit einem anhaltenden Abgang.

„Lavaux-St.-Jacques“ ist die Spitzenlage des Gutes und gilt als einer der besten 1ers Crus der Appellation. Die Parzelle ist am nach Süden geneigten Hang des Combe de Lavaux gelegen. Sehr flachgründiger (20 cm!) kieshaltiger Kalklehm und der Wechsel von warmen Tagestemperaturen und kühlen Nächten sorgen für einen besonders ausdrucksvollen Wein mit Präzision und Eleganz. „Lavaux-St.-Jacques“ ist häufig die letzte Lage, die im Herbst in Gevrey geerntet wird. Seguins Parzelle verfügt auch hier über sehr alten Rebbestand. Dieser Wein hat alles was ein großer Gevrey braucht.

Dieses wandlungsfähige Weingut sollte jeder Burgund-Liebhaber auf dem Schirm haben. Jede Generation hat die Entwicklung der Domaine bis heute geprägt, modernisiert und trotzdem seine Wurzeln nicht vergessen. Wir sind gespannt wie die neueste Generation die Geschichte und die Weine der Domaine beeinflussen wird und stolz Ihnen diese Weine in unserem Sortiment anbieten zu können.