Laurent Ponsot – Ikone des Burgunds mit eigenem Weingut

erstellt am: 21.06.2018 | von: Manuel Hornemann | Kategorie(n): Kierdorf News

Wie ein Blitz schlug die Nachricht in der Weinszene ein. Laurent Ponsot, Visionär, für manche gar Legende, verlässt die Domaine Ponsot als verantwortlicher Winzer im Februar 2017. 36 Jahre hatte er dort gearbeitet, zunächst Seite an Seite mit seinem Vater zu Beginn der 80er Jahre, dann alleine als verantwortlicher Önologe. Die Domaine steht weiter im Eigentum der Familie. Die bewirtschafteten Weinberge gehören nach wie vor zu 25% Laurent Ponsot. Um so überraschender das plötzliche Ende, über dessen Gründe sich bis heute wilde Spekulationen ranken.

Ebenso viel wurde wohl über die Zukunft Laurents spekuliert. Setzt sich der nun 63-Jährige zur Ruhe? Genügend Geld hätte er wohl. Startet er noch mal in einem neuen Geschäftsfeld durch? Immerhin baute er vor seiner Zeit in der Domaine ein Pariser Reisebüro erfolgreich auf. Manch einer fragte zaghaft: Aber er wird doch wohl nicht..? Im Burgund? Spekulationen über Spekulationen, die mit der Ankündigung seiner eigenen Weine ein jähes Ende fanden.

Laurent Ponsot macht sich also „selbstständig“, unterstützt von seinem ältesten Sohn Clément, seiner langjährigen Assistentin Anne-Sophie und natürlich seiner geliebten Frau Claude. Dabei möchte er weder reiner Vigneron noch reiner Négociants sein. Er will das Beste aus beiden Welten nutzen: Trauben von Rebstöcken aus großartigen Lagen seines eigenen Besitzes wie auch Trauben aus einem großen Netzwerk befreundeter Winzer. Wichtig ist ihm dabei immer der konsequente Verzicht auf Chemikalien im Weinberg. Er will seiner geliebten Natur nahe sein, ohne dabei dogmatisch einer Philosophie anzuhängen. Diese Verbundenheit kommt auch in den Namen seiner Cuvées zum Vorschein. So nennt er seinen messerscharfen Saint Romain nach der Passionsblume Passiflore, während der Gevrey-Chambertin l’Aulne in sich ruhend wie die Erle über dem Weinberg thront. Man könnte sagen, dass es sich hierbei um nichts weiter als eine nette Spielerei handelt, doch illustriert diese unglaubliche Liebe zum Detail, wie umfassend Laurent sein eigenes Tun betrachtet.

Detailverliebt und versessen arbeitet er auch im Keller, aber auch stets individuell. Unterstützt durch seinen langjährigen Kellermeister Arnaud wird der Ausbau in neuem Holz wie gewohnt abgelehnt. Ein solcher Ausbau würde dem Wein laut Laurent Aromen der Eiche aufzwingen, das Aroma der Trauben sowie das Terroir maskieren, oftmals gar übertünchen.  Deswegen experimentieren die beiden schon seit einiger Zeit mit alternativen Methoden des Ausbaus, die eine Nano-Oxidation ermöglichen. Ob dieses Projekt wie die Entwicklung des eigenen Korken 20 Jahre in Anspruch nehmen wird, kann nur die Zeit zeigen – im Sinne des Weingenusses hoffen wir dies natürlich nicht.

Weiterhin verzichtet Laurent, wie man es im Übrigen bei der Domaine Ponsot seit 1988 handhabt*, konsequent auf Schwefel während des Ausbaus. Neutrale Gase wie CO2 oder Stickstoff schützen den Wein vor Sauerstoffkontakt. Laurent ist davon überzeugt, dass im Wein von Natur aus Stoffe enthalten sind, die eine Schwefelgabe überflüssig machen, es sei denn, man entzieht diese künstlich durch Filtration.

Überhaupt arbeitet Laurent versessen wie kaum ein Zweiter und hat dabei immer den Blick in die Zukunft gerichtet. So sind die Flaschen mit Punkten versehen, die sich bei dauerhaft zu hohen Temperaturen verfärben, ein wirksamer Indikator für Sammler und Genießer. Hier könnte man schon aufhören, aber als gebranntes Kind, dessen Arbeit allzu oft Fälschern zum Opfer fiel, führt Laurent weitere technische Details ein. So sind beispielsweise Etiketten mit NFC Chips versehen, die die Herkunft der Flasche verifizieren und so weitere Sicherheit in einem von Fälschern erschütterten Markt bringen.

All diese Maßnahmen machen eines klar: Für Laurent steht der Genuss seiner Weine im Vordergrund. Natürlich handelt es sich um rare Weine, die sich im Wert mit Sicherheit steigern werden, doch Laurent will seine Weine getrunken sehen. Für ihn steht der Genuss seiner Weine, die er als Haute Couture begreift, im Vordergrund. Deswegen bietet er neben den Premiers und Grands-Crus-Weinen vor allem Weine als Village-Appellationen an. So soll der wahrlich großartige Genuss dieser Weine, das überragende Handwerk eines der zweifellos kompetentesten Vignerons des Burgunds einer größeren Gruppe Genießer zugänglich werden. Denn am Ende ist Laurent immer noch ein Kämpfer für das Terroir und ein überzeugter Liebhaber dieser überschaubaren Region, die er schon mit der Muttermilch aufsog und die ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist.

 

Kevin Kleu
Sommelier